Norbert dreht durch
Datum: Mittwoch, 04.Oktober. @ 16:49:03 CEST
Thema: Technik





Norbert "contherm" Usdrowski's Wege zur Drehzahlbegrenzung

Fehlersuche an der Leerlaufdrehzahlregung am Beispiel eines 420er SL mit KE Jetronic

Ich möchte hier mal über meine Problemlösung in Sachen Leerlaufdrehzahlregelung berichten.

Mein 420 zeigte von jetzt auf gleich ein sehr unangenehmes Verhalten:

Die Leerlaufdrehzahl pendelte sich in P und N auf ca. 1800 U/min ein. Bei eingelegter Fahrstufe mit getretener Bremse drehte der Motor immer noch bis zu 750 U/min. Fahrten durch 30 km – Zonen waren nur mit getretener Bremse möglich. Das Einlegen von Fahrstufen immer mit einem erheblichen Schlag verbunden.

So ging es nicht weiter, aber was tun? DB war von vorne herein die letzte Lösung.


Auf eine entsprechende Anfrage im Nachbarforum gab es eine! Antwort, die die grundsätzlichen gängigen Fehlermöglichkeiten aufzählte.

Ich will das nicht kritisieren, da Probleme an der KE Jetronic sehr vielseitige Ursachen haben können. Ich musste mich selbst auf den Pfad machen.

Grundsätzlich sollte man wissen, dass die Leerlaufdrehzahl bei Motoren mit der KE Jetronic über den Leerlaufsteller (LLS), auch Zusatzluftschieber genannt, geregelt wird. In Abhängigkeit vom Drehzahlsollwert und der Istdrehzahl wird der LLS mit einer getakteten Gleichspannung beaufschlagt, die den Öffnungsquerschnitt und damit die Luftmenge des LLS verändert.

Lösungsansätze:

Bei der KE wird, etwas vereinfacht, die Leerlaufdrehzahl dann geregelt, wenn das Gaspedal nicht betätigt wird. In Abhängigkeit von der Motortemperatur und der Motorbelastung wird ein Leerlaufsollwert vorgegeben, der durch den LLS geregelt wird.

Die Leerlaufstellung des Gaspedals wird über den Drosselklappenschalter erkannt, der unterhalb des Luftmengenmessers sitzt.

Im Anfang prüfte ich sowohl die Schaltfunktion des Drosselklappenschalters, als auch die des Motortemperaturfühlers. Offensichtlich waren die Komponenten in Ordnung.

Bei vielen V8- Motoren scheint der LLS selbst das Problem zu sein. Infolge von Verschmutzung schließt der LLS nicht mehr richtig, und die Leerlaufdrehzahl liegt deutlich höher als erlaubt. Im Netz gibt es entsprechende „Reparaturhinweise“ für den teueren LLS, die auf eine gründliche Reinigung desselben abheben. Weiterhin wird empfohlen die Rückstellfeder des LLS zu entspannen. Selbstverständlich habe ich das auch ausprobiert, aber ohne Erfolg.

In einem sehr guten Bericht zu Servicearbeiten an der KE fand ich den Spannungsverlauf am LLS, gemessen mit einem Oszilloskop. Auch ich habe so gemessen, und fand den Spannungsverlauf qualitativ annähern gleich. Insofern war ich zunächst der Meinung, dass die Ansteuerung des LLS in Ordnung sei.

Zwischenlösung:

Ich war zunächst mit meinem Latein am Ende. Die viel zu hohe Leerlaufdrehzahl konnte ich jedoch auf Dauer nicht hinnehmen und habe mir eine Festdrossel drehen lassen, die ich in die Verbrennungsluftzufuhr hinter den LLS eingesetzt habe. Damit drehte der Motor im Leerlauf ca. 800U/min und in den Fahrstufen bei getretener Bremse ca.650-700U/min.

So bin ich dann fast zwei Monate unterwegs gewesen. Etwas nachteilig war, dass die Drehzahl nicht geregelt wurde, dh. beim Kaltstart musste ich etwas mit dem Gaspedal nachhelfen und bei Betrieb der Klimaanlage fiel die Leerlaufdrehzahl ab. Das Betriebsverhalten war jedoch deutlich besser, als zuvor.

Weitere Untersuchungen:

In der Folgezeit habe ich dann weitere Berichte und die Reparaturanweisungen der WIS zu diesem Thema gelesen. Aufgrund dieser Studien habe ich dann versucht bei Leerlaufdrehzahl den „Stellerstrom“ zum LLS zu messen. Laut WIS sollen dort ca. 700 mA fließen. Was ich auch anstellte, da war nichts! Kein Strom zu messen! Die Spannungsmessung am LLS mit dem Oszilloskop hatte mich auf den Holzweg geführt.

Ich hatte nun den Verdacht, dass entweder das „berühmte“ Überspannungsschutzrelais“ ne Macke hatte, oder das Leerlaufsteuergerät der KE nicht in Ordnung war. Gemäß dem Blockschaltbild der KE werden in diesem Leerlaufsteuergerät sämtliche Einflüsse auf die Leerlaufdrehzahl verarbeitet und der Stellerstrom für den LLS erzeugt.

Allein das Leerlaufsteuergerät kostet bei DB 230 Euronen und das ÜSR schlägt auch mit 90 Euro zu Buche. Wenn die Ursache nicht klar ist, ist das eine Menge Geld!

Also Ebay: Für kleines Geld sowohl Steuergerät als auch Relais erworben.

Die beiden Teile lagen dann noch zwei Wochen bei mir herum, da ich keine Zeit hatte. Witzigerweise funktionierte auf einmal für zwei Tage die Leerlaufdrehzahlregelung wieder ganz normal, um dann jedoch wieder auszufallen.

Der Tag der Wahrheit:

Ja, dann war es so weit. Mal eben Überspannungsrelais und Leerlaufdrehzahlregel- Steuergerät tauschen. Es kam also Zeitpunkt, zu dem ich das Auto mal wieder auf den Mond hätte schießen können. Wer sich die Position dieser beiden Teile ausgedacht hat, hat zumindest nicht an die Wartung gedacht. ÜSR hinter der verschraubten inneren rechten Seitenverkleidung im Fußraum des Beifahrers. Hauptsache der Elektriker hat lange gefühlsechte Finger. Dazu kam der Frust, als dass dies nicht die Ursache für die Drehzahlmiserere war.

Also weitersuchen. Wo sitzt denn das verd... Leerlaufdrehzahl – Steuergerät? lt. WIS hinter dem Handschuhkasten. Wer hat das Ding denn dort versteckt? Da man auch wirklich nichts erkennen kann, habe ich zunächst das Steuergerät der Klimaanlage in der Hand. Hervorragend zugänglich!! Dann weiter im Lotteriespiel: Nächster Griff, Hurra das gesuchte Steuergerät sitzt links daneben. Getauscht, und Motor angelassen. Große Begeisterung! Selbstbelobigung! Die Motordrehzahl stellt sich auf ca. 650 U/min im Leerlauf ein.

Spaß beiseite, ich habe das Problem gelöst. Seit ca. 2 Wochen habe ich keinerlei Probleme mehr mit meinem Leerlaufverhalten. Ursache war das defekte Leerlaufdrehzahl.- Steuergerät.

Im Nachhinein habe ich den Verdacht, dass viele Leidensgenossen, die vermeindlich Probleme mit ihrem LLS haben, ihre Aufmerksamkeit mal dem Leerlaufsteuergerät widmen sollten. Im Netz wird fast immer die Ursache bei einem verschmutzten LLS gesucht, und anschließend die Rückstellfeder entspannt. Ich neige dazu zu glauben, dass in vielen dieser Fälle alterungsbedingt das Leerlaufsteuergerät einen zu geringen Steuerstrom generiert und die Leerlaufdrehzahl dadurch nicht gehalten wird. Bei mir war es halt ein Totalausfall des Steuergerätes.

Text/Fotos: (c) Norbert Usdrowski

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